Weinlese 1950 in Sion, vor dem Keller. Die Trauben werden in grossen Holzfässern transportiert.
© Foto Hans Steiner, Musée de l'Elysée Lausanne
1850-1918 : Der wirtschaftliche Aufschwung der Reben und Weine
Die Entwicklung des kommerziellen Weinbaus ist eine Folge des Sonderbundkrieges (1847). Die der Kirche beraubten Güter werden von wohlhabenden Walliser Familien oder von Waadtländer Investoren aufgekauft, welche die ersten Weinhäuser im Kanton gründen. Der Rebsortenbestand und die Kulturmethoden entwickeln sich. Der Staat fördert aktiv den Fortschritt in Landwirtschaft und Weinbau. Die Eindämmung der Rhone und der Bau der Eisenbahn anfangs der Jahre 1860 ermöglichen die Vergrösserung der Rebflächen und den Zugang zu neuen Absatzmärkten. Es dauert nicht mehr lange bis der Weinbau den Rang der ersten Branche der Walliser Landwirtschaft einnimmt.
1918-1950 : Die grosse Mutation
Für den Weinbau ist die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts eine reiche und hektische Periode. Nach dem Aufkommen der Reblaus (ab 1916) wird der Rebberg in einigen Jahrzehnten total neu angebaut. Der Rebsortenbestand und die Weinbaumethoden verändern sich tiefgründig. Nach einer schweren Wirtschaftskrise (1929) müssen sich die Winzer und Händler neu organisieren. Diese Krise führt zur Gründung der Genossenschaftskellerei Provins. Der Bundesstaat spielt eine immer wichtigere Rolle im Weinbau, die Ausbildung wird professioneller und die Rebfläche vergrössert sich weiter, bis das Wallis 1957 mit 3'550 ha den ersten Rang der Schweizer Weinbaukantone einnimmt.
1950-1991 : Spannungen zwischen Quantität und Qualität
Die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts ist durch eine immer besser strukturierte Organisation in der Produktion und im Weinhandel gekennzeichnet. Auf gesetzlicher Ebene werden die Grundlagen einer protektionistischen nationalen Weinwirtschaft festgelegt. Die Walliser Rebfläche nimmt ständig zu, bis sie 1980 5'200 ha erreicht. Die Produktion wird industrialisiert. Die Traubenlese wird gut entlohnt und der Weinbau kennt seine Prunkperiode. Das Bestreben nach Ertrag verdrängt jedoch oft das Qualitätsbewusstsein. Im Verlauf der 80er Jahre kennt das Wallis, wie andere Weinbauregionen, eine schwere Überproduktionskrise, die bedeutende Auswirkungen haben wird.
Ab 1991 : Die AOC - Jahre
Die Absatzschwierigkeiten in den 80er Jahren haben die Einführung der Appellation d'origine contrôlée (AOC) bewirkt. Im Wallis treten diese Vorschriften im Jahr 1992 in Kraft. Im Umfeld der Liberalisierung der Importe und der zunehmenden Konkurrenz steht nun das Qualitätsbestreben im Mittelpunkt. Die Aufwertung der alten einheimischen Rebsorten, die Wahrung der verschiedenen Terroirs und der Schutz des landschaftlichen Erbes gehören ebenfalls zu den Zielsetzungen der Walliser Weinwirtschaftpolitik anfangs des 21. Jahrhunderts.
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